Das Plumpsklo im Nirgendwo und der Point of No Return

(04./05.05.26) Nach dem Zoll erwartete mich ein Zeitsprung. Kasachstan nutzt seit 2024 landesweit eine Einheitszeit (UTC+5), obwohl es geografisch stolze vier Zeitzonen umspannt. An der Grenze war es plötzlich fünf Stunden später als in der Heimat.

Mörderische Schlaglöcher und die Rettung durch Timur

Die Strassen im Altai sind tückisch. Es gibt Schlaglöcher, die so tief sind, dass ich darin baden könnte – nur mein Bauch würde oben rausschauen. In einer dieser Passagen meldete sich die Reifendruckanzeige: Der linke Hinterreifen verlor Luft. In einem kleinen Dorf fand ich Timur und seine Frau.

Timur betreibt einen Reifenservice in einem einfachen Schuppen, ausgestattet mit modernsten Maschinen. Professionell flickte er den Durchstich in meinem 19-Zoll-Breitreifen. Währenddessen genoss ich bei seiner Frau Kaffee und Brandteig-Gebäck mit Gemüsefüllung. Als „Gegengeschenk“ für meine Pfefferminzboxen schenkte sie mir ein handgefertigtes Körbchen. Die Reparatur, zwei Kaffee und Frühstück kosteten mich inklusive 19 % Trinkgeld umgerechnet gerade einmal 11,39 €. Und das Beste: Timur half mir, den Wasserhahn an der Spüle zu reparieren – es war nur ein losgerüttelter Steckschlauch!

Die Oase ohne Netz

Nach stundenlanger Schotterpiste bergauf, bei der der Allrad des Mazda das Gespann sicher zog, erschien plötzlich eine „Oase“: Ein grosser, leerer Parkplatz mit einem brandneuen Plumpsklo im Nirgendwo. In dieser Abgeschiedenheit konnte ich endlich die Aussendusche nutzen – was ich dabei anhatte (oder eben nicht), bedarf nach dem letzten Artikel wohl keiner weiteren Erklärung.

Ein Hinweis für meine Notdienst-Kunden:
Obwohl ich hier weder Internet noch Telefonempfang habe, ist Hilfe garantiert. Der Schlüsselnotdienst für die Landkreise Schwarzwald-Baar, Villingen-Schwenningen, Tuttlingen und Rottweil ist automatisch zu Aleks umgeleitet. Die Hilfe rund um die Uhr läuft weiter, während ich hier in der Stille meine Berichte schreibe.

Kurz vor der Weiterfahrt traf ich noch ein Ehepaar aus Moskau mit ihrem deutschsprechenden Vater. Ein kurzer Smalltalk über die Reise und das Leben motivierte mich für die nächste Etappe. Der „Point of No Return“ ist erreicht. Morgen geht es in die Mongolei – so weit die Reifen und die Konzentration uns tragen.

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