(19./20.05.26) Almaty, das frühere Alma-Ata, war das grosse logistische Etappenziel im Pflichtenheft. In zwei sauber durchgezogenen Fahrtagen bin ich mit dem Caravan-Gespann gut angekommen. Doch der Name dieser Millionenstadt hält heute nicht mehr, was er historisch verspricht.
DER NAME ALMATY
Der Name Almaty stammt aus dem Kasachischen und leitet sich direkt von dem Wort „Alma“ (Apfel) ab. Es bedeutet übersetzt so viel wie „Ort der Äpfel“. Die ältere, sowjetische Bezeichnung Alma-Ata beruht auf einem russischen Übersetzungsfehler, wird aber lokal oft noch als „Vater der Äpfel“ interpretiert. Historisch war die gesamte Region eine gigantische Oase aus Apfelhainen.
Heute ist von dieser Pracht so gut wie nichts mehr übrig. Das explosive Wachstum der modernen Metropole hat die alten Plantagen gnadenlos vertrieben. Doch die Region hütet im Verborgenen ein unbezahlbares biologisches Geheimnis: Hier schlägt das evolutionäre Herz aller Äpfel dieser Erde.
DER GENETISCHE UR-APFEL
Wissenschaftliche Untersuchungen wie die vollständige Genom-Sequenzierung haben zweifelsfrei bewiesen, dass die moderne Kulturpflanze (Malus domestica) im Kern von einer einzigen wilden Stammform abstammt: dem Malus sieversii, der in den zentralasiatischen Gebirgen wild überlebt hat. Eine wegweisende Populationsanalyse, veröffentlicht im Fachmagazin Nature / Horticulture Research, belegt die direkte genetische Grundlage und zeigt, wie dieser Ur-Apfel einst über die antike Seidenstrasse nach Westen transportiert wurde.














Zur Sicherung dieses einzigartigen Gen-Pools existieren rund um Almaty streng bewachte Reservate und Nationalparks, in denen Ranger den uralten Wildbestand rigoros schützen. Unweit von Tauturgen, tief im Ili-Alatau-Nationalpark und weit abseits der ausgetretenen Touristenpfade, verbirgt sich so ein fast geheimer Altbestand des Malus sieversii.
Genau an diesem Ort klinkte sich meine Logik in eine Fährte ein, auf die mich in Wahrheit Maria bei unseren Telefonaten gebracht hatte. Wenn man die biblische Schöpfungsgeschichte analytisch seziert, stösst man unweigerlich auf den Sündenfall, auf Eva, Adam und die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis. In der Kunstgeschichte wird diese schicksalhafte Frucht fast immer als Apfel dargestellt. Nehmen wir an, das stimmt und es war keine Feige oder eine andere Südfrucht. Und, nehmen wir weiter an, die ganze Geschichte war nicht ohnehin nur eine Metapher für die Vagina, bei der Adam im Grunde nur an Evas Schamlippen genascht hat, indem sie einfach einvernehmlich miteinander gefickt hatten (irgendwie mussten die namentlich genannten Kinder Kain, Abel und Set sowie die vielen weiteren Söhne und Töchter – unter anderem Awan und Azura – ja schliesslich entstanden sein). Wenn all diese Voraussetzungen zutreffen, dann kann das echte, biologische Paradies nur genau hier im Ili-Alatau-Tal oder der näheren Umgebung liegen. Die Logik dahinter ist zwingend: Wer bitteschön hätte denn vor Adam und Eva anderswo Äpfel kultivieren können, wenn der genetische Ursprung nachweislich in diesem Boden verankert ist? Das ist absolut wasserdicht 😉!? Was meint ihr dazu?




Mit der tatkräftigen Unterstützung der lokalen Ranger habe ich diese Ur-Bäume schliesslich tief im Wald ausfindig gemacht. Ich stand direkt vor ihnen und konnte die raue Rinde berühren. Es gibt Menschen, die bei so etwas esoterische Schwingungen spüren, Bäume umarmen und Pflanzen eine bewusste Kommunikation zuschreiben. In meinem aspergertypischen System passierte emotional rein gar nichts. Ich habe keinerlei Regung verspürt. Aber nüchtern betrachtet: Schaden kann der physische Kontakt mit der Evolution auch nicht.


Und, da ich nun einmal direkt vor dem Malus sieversii stand – also exakt dem Gewächs, das die Blaupause für den Baum des Sündenfalls lieferte, fühlte ich mich spontan berufen, die Hüllen komplett fallen zu lassen. Ich zog mich splitterfasernackt aus, um mitten in der zentralasiatischen Wildnis den Adam zu geben. Und, die Logik siegte erneut: Da die verführende Eva (oder wahlweise die Schlange respektive der Teufel) in diesem Moment physisch nicht anwesend war, konnte ich schlichtweg nicht sündig werden. Ich blieb in meiner absoluten Nacktheit völlig unschuldig. Dieses skurrile Bild – ich, nackt unter dem Ur-Apfelbaum, im Hintergrund das Rauschen des Turgen-Flusses – musste ich einfach mit einem radikal ehrlichen Ganzkörper-Selfie für die Ewigkeit festhalten.
Mit dem heutigen Tag ist exakt die Halbzeit der Reise erreicht. 91 Tage habe ich mir für dieses gesamte Projekt stramm vorgenommen – und 45 Tage sind bereits an mir vorbeigeschossen. Nach dem Abenteuer im Nationalpark stand der harte Kontrast der Zivilisation auf dem Programm. Ich steuerte das riesige MEGA-Einkaufszentrum in Almaty an. Dort habe ich mir als Erstes eine professionelle Fusspflege gegönnt. Das war astronomisch überfällig. Bedingt durch meinen Morbus Bechterew ist mein Skelett mittlerweile leider so stark versteift, dass ich physisch gar nicht mehr in der Lage bin, mir die Fussnägel ohne fremde Hilfe sauber zu schneiden. Eine technische Wartung am eigenen Körper, die dringend nötig war.
Weniger erfolgreich verlief mein logistischer Auftrag für einen guten Freund in der Heimat. Ich sollte an einer vorab recherchierten Adresse einen traditionellen kasachischen Hochzeitskopfschmuck für Frauen – ein sogenanntes Saukele – besorgen. Doch vor Ort folgte die Ernüchterung: Das besagte Geschäft oder die Abteilung existierte schlichtweg nicht mehr. Ich habe mich hartnäckig durchgefragt, wurde aber nur von einer Ecke in die nächste geschickt.
Bei dieser Aktion im dichten Stadtverkehr von Almaty wurde mir einmal mehr schmerzhaft bewusst: Eine moderne Millionenstadt ist absolut kein Willkommensort für ein 12 m langes Caravan-Gespann. Ohne eine physische Beifahrerin wie Maria, die während der Fahrt live im Netz recherchiert, Satellitenbilder prüft und präzise Zielkoordinaten ins System einspeist, bist du hier drin quasi blind. Das Drama beginnt beim simplen Kurzparken am Strassenrand und endet bei der schieren Unmöglichkeit, einen Stellplatz zu finden, auf dem ich auch Tequila artgerecht und sicher Gassi führen kann. Meine Cane Corso-Hündin braucht Raum und keine reizüberflutete Asphaltwüste. Auch die für diesen Blog namensgebenden Menschenwege-Begegnungen tendieren in so einem urbanen Moloch gegen null. Die Menschen in der Grossstadt sind in ihrer eigenen Hektik gefangen, stumpf auf sich selbst bezogen und es fehlt schlichtweg jede ruhige Kontaktgrundlage für ein ehrliches Gespräch. Die wahre Substanz liegt eben doch draussen in den ländlicheren Bereichen.
Ja da zeigt sich wieder einmal, wie nahe heutzutage Paradiesiche Zustände und vom Menschen geschaffene Hölle nebeneinander liegen, in dem sogar ein Tier wie Tequila kaum Ihren Bedürfnissen nachgehen kann.
Geschweige denn, Zwischenmenschliche Kommunikation stattfinden kann.
Ich hoffe Eure nächste Station wird in dieser Hinsicht wieder erfreulicher