Sprung nach Asien: Zwischen Gastfreundschaft, „Schalter 101“ und Strassen-Rowdys

(11.04.26) Die letzte Nacht in Bulgarien war ein echter Segen. Ich schlief wie ein Stein – tief, fest und voller Träume. Entsprechend steif fühlte ich mich beim Aufwachen, doch ein ausgiebiger Morgenspaziergang mit Tequila brachte die Glieder wieder in Schwung. Kurz vor Mittag hiess es: Leinen los. Mit einer frischen Kanne Filterkaffee an Bord verliess ich den Campingplatz Richtung Südosten.

Petio: Wenn ein Kaffee zum Kompass wird

Nach zwei Stunden Fahrt auf einem Parkplatz die erste Begegnung des Tages: Eine vollbepackte Reiseenduro mit bulgarischem Kennzeichen. Der Fahrer, Petio, bereitete gerade sein Vesper auf dem Gepäckträger vor. Ich bot ihm einen Kaffee an, doch den eigentlichen „Job“ als Eisbrecher übernahm wie so oft Tequila.

Sobald das Fenster runterging, war das Eis gebrochen. Petio, ein erfahrener Türkei- und Georgien-Kenner, war sichtlich beeindruckt von meiner Route: „Mongolei? Mit diesem Caravan?!“ In gutem Englisch versorgte er mich mit wertvollen Insider-Tipps: Die Küstenstrasse am Schwarzen Meer erst ab Samsun nehmen (davor sei sie in miserablem Zustand) und unbedingt den Grenzübergang bei Batumi nutzen. Wir waren uns einig: Es sind genau diese Momente – das Treffen Gleichgesinnter -, die das Wesen von www.Menschenwege.de ausmachen. Nach einer kleinen Foto-Session mit Tequila trennten sich unsere Wege, nur um uns später an der Grenze kurz wiederzusehen.

Das Absurditäten-Kabinett: Willkommen an Schalter 101

Die Einreise in die Türkei fühlte sich an wie eine Mischung aus Asterix’ „Passierschein A38“ und Reinhard Meys „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“. Zweieinhalb Stunden dauerte das Prozedere.

Das Herzstück dieses bürokratischen Labyrinths: Schalter 101.
Niemand weiss genau, was dort passiert. Es ist das Gleis 9 ¾ der türkischen Zollbehörden, gefangen in einer Zeitschleife. Ich musste gefühlt zehnmal die Fahrzeugpapiere vorzeigen (die wichtiger waren als mein Ausweis), während Tequila völlig ignoriert wurde. Fünf verschiedene Stellen prüften dasselbe Dokument. Meine Hypothese: Jemand vertippt sich beim Kennzeichen und schickt mich zurück auf „Start“. Trotzdem: Die Beamten waren stets freundlich, auch wenn ich den tieferen Sinn ihrer Arbeit nicht immer durchdrang.

Licht und Schatten: Diesel-Glück und Hunde-Drama

Kaum über der Grenze, gab es Grund zur Freude: Der Diesel kostet hier umgerechnet nur ca. 1,40 €/Liter – über einen Euro weniger als daheim! Doch die gute Laune hielt nicht lange.

Bei einer Pause an einem Parkplatz mit Restaurant geschah es: Während Tequila friedlich trank, näherten sich zwei Strassenhunde. Was erst nach neugierigem Schnuppern aussah, schlug sofort in Aggression um. Ein grosser Alpha-Rüde griff Tequila ohne Vorwarnung an. Ich musste mit einer Hundeschüssel dazwischengehen, um einen Biss zu verhindern, und rettete meine völlig verstörte Hündin in den Wohnwagen.

Diese Begegnung hat mich nachdenklich und wütend gemacht. Wilde Hunde, die ihren Status permanent blutig erkämpfen müssen, haben in einer zivilisierten Öffentlichkeit nichts zu suchen. Tequila braucht jetzt erst einmal viel Schutz und Halt, um dieses negative Erlebnis zu verarbeiten. Ab sofort habe ich Pfefferspray griffbereit – die Sicherheit meiner Begleiterin geht vor.

Panne Nummer 2: Der Pannenhelfer-Instinkt

Als wäre das nicht genug, überfuhr ich auf der Autobahn einen Gegenstand, der mir prompt den Stecker der Wohnwagenbeleuchtung abriss. Warnweste an, Warndreieck raus – Reparatur auf dem Standstreifen. Glücklicherweise ist mit mir ein Kraftfahrzeugmechanikerhandwerksmeister an Bord. Der Halter wurde kurzerhand wieder zurechtgebogen, die Verbindung notdürftig geflickt. Weiter geht’s!

Status: Ich habe mein Etappenziel erreicht. Ich stehe nun offiziell in Asien, 680 km vor Samsun. Der Kontinent hat mich mit harten Lektionen, aber auch grosser Hilfsbereitschaft empfangen.

Gute Nacht aus der Türkei!

3 Kommentare zu „Sprung nach Asien: Zwischen Gastfreundschaft, „Schalter 101“ und Strassen-Rowdys“

  1. Ich verfolge dich auf Google Maps und sehe mir gerade Bilder deines Etappenziels Osmancik an. Wirklich gigantisch, was die Türkei landschaftlich zu bieten hat. Die Türkei-Pauschalurlauber bekommen davon vermutlich nichts mit.
    Wie ist denn der Straßenzustand in der Türkei?

    Antworten

Schreibe einen Kommentar