Teil 8: Margarita und die GPS-Finsternis

Nach 17 Stunden verliess ich den Zollbereich als freier Mann. Tequila war die Tapferkeit in Person: Kein Malheur im Auto, keine Kratzspuren. Nun galt es, die russische Versicherung (OSAGO) und Rubel zu organisieren.

Blindflug nach Wladikawkas

Ich suchte Wechselstuben – nichts. Ich fand die Versicherungsagentur von Margarita. Sie war ausgesprochen freundlich, kompetent und rechnete mir 3600 Rubel (ca. 45 USD) für das Gespann aus. Das Problem: Wegen der Sanktionen ging nur Barzahlung in Rubel. Dollar? Keine Chance.

Margarita vermutete Wechselstuben zurück an der Grenze, aber ich fand nichts. Also: „Hey Google, navigiere zur nächsten Bank.“. Das Navi führte mich Richtung Wladikawkas. Doch kaum näherte ich mich der Stadt, passierte es: Der Kartenbildschirm drehte sich im Kreis. GPS-Ausfall. Russland stört in der Nähe von Städten und Militäranlagen das Signal massiv.

Ich musste im Blindflug nach Orientierungssinn eine Bank suchen – und fand sie tatsächlich. Mit den Rubeln in der Tasche fuhr ich zurück, passierte zwei Polizeikontrollen mit einem mulmigen Gefühl (ohne Versicherung!), wurde aber beide Male durchgewunken.

Eine Dusche wie ein Himmelreich

Zurück bei Margarita stellte sie mir die Versicherung aus. Ich fragte, ob sie kurz auf Tequila aufpassen könne, während ich die Toilette nutze. Sie lehnte die öffentliche Toilette ab und gab mir stattdessen den Schlüssel zu ihrer privaten Anlage. „Hier, du kannst auch duschen“, sagte sie.

Nach über 30 Stunden ohne Schlaf und dem ganzen Staub der Grenze war diese Dusche das Paradies. Als ich wiederkam, sprach sie mich auf meinen Blog an. Sie hatte die Internetadresse von meinem Giveaway-Döschen (das mit dem Bild von Maria, Tequila und mir). Per Translator des Browsers hatte sie gelesen, dass ich Asperger bin – und outete sich mir gegenüber, dass sie fest glaube, selbst eine undiagnostizierte Aspergerin zu sein. Dies war der Anlass für die Inhalte von Teil 2 und 3, dieses „Kammerspiels in 8 Akten“.

Margarita war eine jener „Menschenwege-Begegnungen“, die alle Strapazen vergessen machen. Jetzt, nach 9 Stunden Schlaf, habe ich diesen 17-Stunden-Krimi für euch verarbeitet. Es war Schwerstarbeit, aber es war wichtig.

Grosny wartet. Ich bin gespannt, was Tschetschenien bereit hält.

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