(09.04.26) Standort: Nahe der tschetschenischen Grenze
Nach dem 17-Stunden-Zollkrimi an der Grenze brach ich früh vom Ufer des Terek auf. Das Ziel: Strecke machen und Frühstücken. Doch wer in dieser Region mit einem Caravan-Gespann unterwegs ist, ist ein Exot. Die Checkpoints ziehen mich magisch an; drei Kontrollen waren es allein am Vormittag.
20 km östlich von Grosny fand ich das Café „TEXAS“. Hier traf ich auf Luara, Rayana, Zainab und Adam. Es war keine bloße Bewirtung, es war eine Lektion in Gastfreundschaft. Nach Spiegelei und Chai wollten alle Tequila kennenlernen. Obwohl sie sich trotz mehrerer Anläufe nicht trauten, sie zu streicheln – selbst als die „Dicke“ (soll von mir ablenken) sich vertrauensvoll auf den Rücken legte -, war das Interesse riesig.
Als ich nach Wasser für den Hund fragte, zeigte sich die tschetschenische Mentalität: Adam trank demonstrativ aus der hohlen Hand vom Aussenwasserhahn, um die Qualität zu bestätigen. Statt der Gieskanne wurde eilig ein sauberer Schlauch herangezogen, um den Tank des Bürstner direkt zu befüllen. Der Abschied war geprägt von Selfies und dem Tausch von Handynummern. Meine personalisierten Pfefferminzboxen waren der Türöffner; als ein Passant neidisch wurde und ich ihn erst mal neckte („Und ich bin auch noch da“), war das Gelächter gross. Ein echter Menschenwege-Moment.
Doch der Tag forderte seinen Tribut. Bei einem Auslauf-Stopp für Tequila entdeckte ich Panne Nummer drei: Das Hängerkabel war auf den huppeligen Strassen durchgescheuert. Nur noch das rechte Standlicht ging. Kurz vor Sonnenuntergang fand ich eine Hinterhof-Werkstatt. Der Chef dort arbeitete mit einer Geschwindigkeit, die jedem Formel-1-Boxenstopp Ehre gemacht hätte: Kabel drillen, Schrumpfschlauch, fertig. Er wollte kein Geld. Die 500 Rubel (ca. 5,50 €) nahm er nur unter Protest an, die Pfefferminz-Karten waren ihm wichtiger.
Die Nacht war weniger glorreich. Nach einer Rindfleischsuppe in einem Tante-Emma-Laden schlief ich direkt an der Schnellstrasse. Jeder vorbeifahrende Brummi erschütterte den Caravan. Das war kein Schlaf, das war eine nächtliche Rüttel-Folter.
Mensch Dieter,
Du bist echt ein mentales Wunder.
Die Kontakte die Du knüpfst
Großartig meine Bewunderung und meinen Respekt. Du bist jetzt unser Tor zur Welt, aus erster Hand.
Toll