Die „Kleine Mongolei“ und das Paradox der Papierhalme

(20.04.26) Standort: Kalmückien (Region Lagan)

Nach der rütteligen Nacht wollte ich ausbrechen. Tausende Kilometer islamisch geprägte Architektur lagen hinter mir. Ich wollte mich neu erden und fuhr nach Kalmückien, in die „Kleine Mongolei“.

Hier herrscht der Buddhismus, ein kulturelles Überbleibsel der oiratischen Einwanderer aus dem 17. Jahrhundert. In Lagan suchte ich den 12,5 Meter hohen Buddha. Die Suche war eine Herausforderung: GoogleMaps versagte völlig. In der Nähe aller russischen Städte ist das GPS massiv gestört oder das mobile Internet eingeschränkt. Ohne meine analogen Karten und den Kompass wäre ich hier verloren.

Zuerst landete ich auf einem orthodoxen Friedhof. Ein schöner Anblick mit blau gestrichenen Geländern – wenn man die Scheuklappen aufsetzt. Denn an den Rändern türmen sich Berge von Müll. Diese globale Uniformität des Drecks macht mich fassungslos. Während wir vorrangig in den „DACH“-Staaten, Skandinavien und angrenzenden Ländern über untaugliche Pappstrohhalme diskutieren (die beim Trinken eines Schokoshakes einfach nur „bäh“ sind), wird hier alles in die Landschaft „geschmissen“. Der Broken-Windows-Effekt in Reinkultur. Trotzdem halte ich an meiner Camperregel fest: Jeden Ort der Welt ein klein wenig besser zu hinterlassen, als man ihn vorgefunden hat.

Schliesslich fand ich den Buddha von Lagan. Er strahlte mit seinen 12,5 Metern in Gold gegen die orthodoxen Zwiebeltürme an. 1:0 für den Buddha – ein optischer Sieg. Doch der Tempel selbst war verschlossen. Als jemand, dessen Beruf es ist, Türen zu öffnen, kam mir die Erkenntnis:

„Wenn dir die innere Hauptpforte zum Tempel verschlossen ist,
diese Pforte von aussen keinerlei Schlossbetätigung hat,
musst du den Pfad der Erkenntnis gehen:
„Es muss eine Seitentüre da sein!“.
Oft ist es nicht der direkte Weg welcher zum Tempel führt! … 😉“

Die Fotos vom Inneren des Tempels (ich fand die Tür!) findet ihr auf meinem Polarsteps-Profil. Den Abend verbrachte ich am jetzigen Lost Place – doch statt zu bloggen, forderte mein Mitarbeiter aus der Heimat zu Recht die Lohnzahlung ein. Die erledigte ich prompt sowie digital gleich die sonstigen angefallenen Buchhaltungsaufgaben. Selbstständigkeit bedeutet eben „selbst“ und „ständig“, auch in der kalmückischen Steppe.

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