(23.04.16) Der Morgen auf dem Meeresgrund begann naturistisch: Ein Nacktspaziergang mit Tequila in totaler Isolation. Doch der einsetzende Regen trieb mich zurück. Die Angst, im nassen Sandboden steckenzubleiben, war zu gross.
Die Fahrt Richtung Atyrau war geprägt von kerzengeraden Schnellstrassen. Im Gegensatz zu Russland sind die Strassen hier erstklassig – 100 km/h mit dem Gespann ohne Stress. Die Landschaft lebt: Steppenroller (Ruthenisches Salzkraut) tanzen über den Asphalt, während Pferde, Kühe und Trampeltiere die Fahrbahn als Laufsteg nutzen. Vor allem die Kühe haben ein stoisches Gottvertrauen in die Bremsen der 40-Tonner.
Überall am Strassenrand thronen Mausoleen.
🧬 Hintergrund: Die Totenstädte der Steppe
Diese Mausoleen sind oft jahrhundertealt. In der kasachischen Kultur ist die Bestattung in prachtvollen Kuppelbauten oder kleinen tempelartigen Häusern ein Zeichen von Ahnenverehrung. Sie dienen als weithin sichtbare Landmarken in der flachen Steppe und erzählen die Familiengeschichte der Nomadenclans.
In Atyrau dann der Schock: Der Ural-Fluss wurde überquert – Asien, ich habe dich. Aber die Stadt selbst war purer Stress. Egoistisches Gerangel im Verkehr und blanke Abzocke am „A 27 Camping“. 5.000 Tenge (ca. 10 €) für 30 Liter Leitungswasser? Das ist teurer als Benzin! Ich ergriff die Flucht.
In Dossor fand ich schliesslich die Rettung: Für 2.000 Tenge bekam ich eine saubere Dusche, Trinkwasser für den Tank und einen Platz für Tequila. Ein wichtiger Stopp, denn die nächste Etappe wird ein Marathon.