(22.04.26) „Meeresboden“ des Kaspischen Meeres
Die weitere Reise nach Kasachstan war anspruchsvoll. Zuerst die mautpflichtige Pontonnyy Most – eine schwimmende Stahlbrücke aus sowjetischen Zeiten, die unter dem Gewicht des 1,6t-Bürstners bedrohlich ächzte.
An der Grenze erlebte ich eine Stempel-Jagd par excellence:
- Laufzettel am Durchlass.
- Gepäckkontrolle (ein flüchtiger Blick, ob ich Menschen schmuggle).
- „Dr. Pet“ vom Veterinäramt.
- Der finale Kontrolleur der drei vorherigen Stempel.
Ein kasachischer Grenz-Schäferhund war weniger charmant: Er griff Tequila durch das Fenster an und hinterliess Kratzer im Lack. Willkommen in Kasachstan.
Nach dem Geldwechsel (Tenge) und dem Abschluss eine Kfz-Haftpflichtversicherung hatte ich die fixe Idee: Übernachten am Strand des Kaspischen Meeres. Ich landete auf Schmugglerpfaden. Laut Navi fuhr ich kilometerweit im Meer – doch weit und breit war nur Staub.
🧬 Hintergrund: Das Aralsee-Symptom am Kaspischen Meer
Das Kaspische Meer schwindet dramatisch. Der Grund ist menschengemacht: Die Hauptzuflüsse, vor allem die Wolga und der Ural, werden durch Staudämme und massive Wasserentnahme für die Landwirtschaft (Baumwollfelder) dezimiert. Ähnlich wie beim Aralsee, der seit 1990 fast vollständig verschwunden ist, sinkt der Wasserspiegel hier jährlich um bis zu 7 Zentimeter. Wo früher Boote anlandeten, fahren heute SUVs über rissigen Boden.
Mitten im Nirgendwo trafen wir жамбыл, еркін und тілеу (Jambil, Erkin und Tilew) in ihrem Lada Niva. Ihr ungläubiger Blick auf mein Gespann war unbezahlbar. Als es eng wurde, zeigte ich ihnen, wie man einen 12-Meter-Zug 50 Meter rückwärts stösst – Respekt verdient. Sie lotsten mich eine Stunde lang durch ein Gewirr aus Pfaden, informierten die Grenzpolizei über meinen Standort und versprachen, morgen nach mir zu schauen. Eine echte Menschenwege-Begegnung.