Die Propheten des Scheiterns und die Realität der Panzerpisten

(05.05.26) Bevor ich den Altai tiefer unter die Räder nahm, war ich Gast in den digitalen Hallen der „Overland-Profis“. In Facebook-Gruppen wie „Overlanding Asia“ oder „Overland World Wide“ herrscht ein eisernes Gesetz: Ohne hochgelegten Offroader mit Schnorchel und Winden bist du im Osten verloren. Als ich dort mein Gespann präsentierte – den Mazda CX-5 und den 1,6 Tonnen schweren Bürstner Averso – erntete ich kollektives Kopfschütteln. „Mit dem Gespann kommst du nie an“, „Der Mazda taugt nichts“, „Der Wohnwagen wird nach der Hälfte der Strecke Schrott sein“, lauteten die vernichtenden Urteile.

Doch heute ziehe ich eine andere Bilanz. Der drehmomentstarke Diesel des Mazda und das Wandler-Automatikgetriebe arbeiten so präzise wie ein Uhrwerk. Der Allrad reagiert feinfühlig; kein einziges Mal hat ein Rad durchgedreht oder das Fahrzeug aufgesessen. Aber die Kritiker haben in einem Punkt recht: Die Strassen sind mörderisch. Es sind Narben in der Landschaft, die oft eher Panzerpisten gleichen. Ein unaufmerksamer Moment, ein Schlagloch im tückischen Teilschatten der Bäume, und die kinetische Energie würde das Fahrwerk des Bürstner einfach zerfetzen sowie den Mazda ausser Gefecht setzen. Man fährt hier ständig im „Überlebensmodus“ für das Material.

Entlang der Flüsse Katun und Tschuja beobachte ich zudem mit Befremden einen regelrechten Tourismus-Boom. Überall schiessen „Glamping-Ranches“ aus dem Boden, die schönsten Ufer werden mit winzigen Häuschen zugebaut. Reiten, Rafting, Quads – ein wilder Westen der Vermarktung, der die ehemals unberührte Schönheit für billige Souvenirstände opfert. Die Strecke machte mich so fertig, dass ich nach nur 200 Kilometern entkräftet kurz vor der Grenze kapitulieren musste.

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