(28. April 2026) Parkplatz bei Qostanai (Koordinaten: 53.121907, 63.603058)
Status: 700 km bis Astana
Ruhe- und Rehabilitationstag
Gestern gab es keinen Blogbeitrag. Der Grund war schlichte Effizienz: Von morgens bis abends gab es nur Strasse und Tankstellen. Kein Unterhaltungswert, keine nennenswerten Begegnungen – reiner Transit. Doch heute schalten wir bewusst einen Gang zurück. Der Camper-Alltag verlangt nach Aufmerksamkeit.
Wartung und Reparatur: Das technische Erwachen
Nach den Schlaglochpisten der letzten Tage war eine Bestandsaufnahme zwingend erforderlich.
- Elektrik-Sieg: Die Bordbatterie des Wohnwagens wird wieder geladen. Die Ursache war, wie vermutet, das vor zehn Tagen durchgescheuerte Hängerkabel. Der Kurzschluss hatte die Sicherung des Ladekabels zerstört. Sicherung ersetzt – Problem gelöst.
- Schrauben-Puzzle: Die „anonyme“ Linsenkopfschraube aus der Spüle hat ihren Platz gefunden. Sie gehört zum Scharnier der Glasabdeckung des Gasherds. Beim Einbau bemerkte ich, dass auch die Gummipuffer der Glasplatte fehlten. Ohne Improvisation hätte das nächste Schlagloch die Platte vermutlich zerfetzt. Ein Puffer fand sich im Schrank, für die andere Seite musste ich eine technische Notlösung basteln.
- Interieur-Check: Weitere lockere Schrauben wurden angezogen.






Wichtiger Hinweis: Ohne die hervorragende Arbeit und „Expeditions“-Vorbereitung von MOINVANS (78661 Bösingen, Henning Ginnel) wäre das Interieur des Wohnwagens bereits auseinandergefallen. MOINVANS ist eine echte Empfehlung für Individualausbauten, Ergänzungen, Optimierungen, Nachrüstungen und Reparaturen von Campingfahrzeugen.
Rehabilitation für Mensch und Tier
Der Tag begann rituell: Kaffee kochen, von Hand aufgebrüht. Danach folgte die notwendige Körperpflege – Haare schneiden, Fingernägel säubern, eine ausgiebige Dusche.
Tequilas Sternstunde:
Dieser Parkplatz an einer gesperrten Strasse ist ein Goldgriff. Keine Menschen, keine Tiere, weitestgehend sauber (bis auf die typischen Hinterlassenschaften eines Pärchentreffs). Tequila konnte mehrere Stunden völlig frei auf Entdeckungstour gehen. Es war faszinierend zu beobachten: Trotz intensiver Riecharbeit im angrenzenden Baumbestand blieb sie immer in Sichtweite des Wohnwagens. Sie kehrte regelmässig zurück, um nach mir zu schauen, und zog dann wieder los. Diese Erfahrung von Freiheit und Vertrauen war den Stillstand heute allein schon wert.


Praktisches: Die Autark-Toiletten-Logik
Da ich heute Zeit habe, hier meine detaillierten Tipps zur Hygiene unterwegs:
Die eingebaute Chemie-Toilette (in Verwendung: THETFORD AQUA KEM „GREEN“) nutze ich selten. Trotz des „Green“-Labels ist es Chemie. In die Umwelt darf das Zeug nie, sondern nur in professionelle Kläranlagen – ein Ding der Unmöglichkeit auf dieser Route. Für mich ist das Chemieklo nur die Notfalleinheit für „Montezumas Rache“.
Die Umrüstung zur Trenntoilette (während der letzten 23 Tage habe ich die Bordtoilette nur zweimal benutzt):
- Urin: Für Männer einfach via 5-Liter-Plastikflasche (schräg im Waschbecken). Für Frauen gibt es Silikon-Trichter, die anatomisch an die Vulva angepasst sind und das „Zielen“ wie beim Mann ermöglichen.
- Feststoffe: Passende Beutel über die Klobrille stülpen. Flüssigkeits-Absorber (oder Kokosfasern aus dem Baumarkt) entziehen die Feuchtigkeit. Das reduziert Gerüche massiv und verhindert Kondenswasser am Deckel. Und, ein Beutel hält mehrere Sitzungen durch.
- Klopapier: Gehört nicht in den Tank! Es verklebt Schwimmer und Mechanik. Es gehört auch nicht in den Plastikbeutel. Ich nutze 1-Liter-Joghurtbecher mit Deckel und Windeltüten zur geruchsfreien Zwischenlagerung.








- Wassersparen: Mit einer Sprühflasche und Einmalwaschhandschuhen aus Molton kann man den ganzen Körper extrem wassersparend reinigen.

Reise-Finanzen: Buchhaltung in der Steppe
Auch das gehört zur „Reisezeit“: Die digitale Buchhaltung. Da ich die 1%-Regelung für meinen Geschäftswagen nutze, müssen Belege akribisch zugeordnet werden.
- Strategie: Zwei Reisekreditkarten. Eine exklusiv für Fahrzeugkosten (Kraftstoff, Maut, Reparaturen), die andere für Privates.
- Tools: Ich nutze die kostenlose VISA der Hanseatic Bank und die goldene Mastercard von Advanzia.
- Warnung: Bei der Advanzia gibt es keinen Lastschrift-Einzug. Man muss die Rechnung pünktlich manuell ausgleichen, sonst treffen einen horrende Zinsen. In Zeiten von Onlinebanking aber kein Problem.




Fazit und Nachtwache
Ich bleibe eine weitere Nacht hier. Die Abgeschiedenheit ist absolut, naturistentauglich und friedlich. Auch wenn ich normalerweise jeden Platz besser verlasse als ich ihn vorfand: Kondome und Tücher sammle ich heute nicht auf. Aber schlechter hinterlasse ich ihn auch nicht.
Morgen früh geht es weiter Richtung Mongolei.
Қайырлы түн
Hilfreich für jeden, der diese wahnsinnsreise auch starten will
Hello, I check your new stuff like every week.
Your writing style is witty, keep doing what you’re doing!