Die Realität hat Schlaglöcher: Von Babs, Sandblechen und 11 Stunden Stillstand

(16.04.26 – Nachtrag aus dem Grenz-Niemandsland) Nachdem ich gestern den Parkplatz beim Beratungszentrum geräumt hatte, galt die erste Sorge wie immer Tequila: Gassi, Füttern, dann Systemcheck. Mein Ziel für den Tag war klar: Das Jvari-Kloster. Nicht nur wegen des „Adlerhorst-Blicks“, sondern als strategischer Treffpunkt für eine ganz besondere „Menschenwege-Begegnung“.

Die Sandblech-Mission

Dort am Jvari-Kloster traf ich Babs. Eine beeindruckende Frau, die sich nach schwerer Krankheit ihren Traum vom selbst ausgebauten Ducato erfüllt hat. Wir kannten uns nur flüchtig aus Overlander-Gruppen, doch ich hatte ihr versprochen, ihre nachgelieferten Sandblech-Halterungen aus der Heimat mitzubringen.

Ich hatte ihr klare Bedingungen gestellt: Keine Haftung, keine Routenänderung meinerseits – sie muss mich abfangen. Und es hat geklappt! Den obligatorischen Sicherheitscheck des Kartons auf Drogen oder illegale Substanzen hatte ich natürlich schon vor der Abfahrt in Rottweil erledigt. Es wäre völlig unlogisch gewesen, ein potenzielles Risiko erst über tausende Kilometer und durch etliche Grenzen zu transportieren. Nach einem gemeinsamen Kaffee am Kloster war die Übergabe perfekt. Das heutige Titelbild zeigt diesen Moment – danke an Babs für die Erlaubnis, das zu teilen.

Die Heerstrasse: Ein Test für Mensch und Material

Die Nachricht, dass die Grenze Verkhny Lars offen ist, trieb mich weiter nach Norden. Was dann folgte, war eine Lektion in Sachen Strassenzustand. Die Alte Heerstrasse ist ein einziges Trümmerfeld aus Schlaglöchern. Mein Blick tastete die Fahrbahn wie ein Scanner ab. Viele Autofahrer hängten sich an mein Gespann – ich war der „Schrittmacher“. Sie wussten: Wenn der einachsige Bürstner nicht zerbricht, kommen sie auch durch.

Warum eine so wichtige Handelsroute nach Russland in diesem desolaten Zustand gelassen wird, entzieht sich jeder Logik. Am Pass selbst (minus 2°C am Spätnachmittag!) sah man die Gründe für die Sperrung: Meterhohe Schneewände, Reste von Lawinen und Felsstürzen. Die Strasse war frei, aber die Zerstörungskraft der Natur war noch überall greifbar.

Gefangen im Scanner-Stau

Gegen 20 Uhr passierte ich den georgischen Zoll. Dann der bizarre Zeitsprung: Im Niemandsland vor Russland war es plötzlich wieder 20 Uhr. Jetzt ist es 6 Uhr morgens Ortszeit – ich stehe seit elf Stunden in der Schlange.

Das System hier ist pures Chaos: Fünf Spuren drängeln unreguliert auf ein einziges Tor zum Fahrzeugscanner zu. Es gilt das Recht des Stärkeren und Mutigeren. Wer die Lücke nicht schliesst, steht ewig. Tequila und ich warten geduldig, auch wenn die Gassi-Optionen hier bei Null liegen. Ich schätze, es dauert noch zwei Stunden, bis ich durch das Röntgentor bin.

Update Maria: Der NT-Fokus

Kurz vor der Grenze konnte ich Maria erreichen. Ihr Zimmer war voller Besuch – ein klares Signal für ihren Fortschritt. Die Schmerzen lassen nach, sie wird mobil.

Und ja, typisch AS-Mensch: Ich habe wieder vergessen zu fragen, wie lange sie im Krankenhaus bleiben muss. Für neurotypische Menschen ist das der wichtigste Fakt, für mich ist er sachlich erst mal ohne Bedeutung, solange das Ergebnis (Heilung) stimmt. Aber ich lerne dazu und frage das nächste Mal nach – versprochen.

1 Kommentar zu „Die Realität hat Schlaglöcher: Von Babs, Sandblechen und 11 Stunden Stillstand“

  1. Hallo Dieter, puuuuh, gut dass Du so stoisch ruhig bleiben kannst, diese Situation verlangt einem ja einiges ab. Und gleichzeitig ist es spannend aus erster Hand zu erfahren, was auf diesem Planeten so los ist.
    Weiterhin alles Gute und Liebe und sichere Fahrt

    Antworten

Schreibe einen Kommentar