Brückenfeste: Zwischen Rottweil-High-Tech und Georgien-Ruinen – Brücke von Agarebi

(15.04.26, 10:00 Uhr) Warnung vorab: Google Maps hat hier kapituliert. Mein Kopf nicht. Wer ein Caravan-Gespann liebt, der schiebt – oder er navigiert nach Satellitenbildern durch Industriebrachen. 😉

Das fotografische Gedächtnis vs. Algorithmen

Manchmal ist mein Asperger-Gehirn wie eine High-Speed-Kamera. Gerade auf der Autobahn: Ein Sekundenbruchteil, ein Blick aus dem Augenwinkel – eine historische Hängebrücke. Das Bild brannte sich sofort ein: die verfallenen Industriegebäude daneben, die Winkel, die Vegetation.

GoogleMaps hielt den Weg für unmöglich. Mein Kopf sagte: „Da muss eine Unterführung sein.“. Ich verpasste die Abfahrt, drehte bei der nächsten Gelegenheit und kämpfte mich auf einer Parallelstrasse zurück. Natürlich erst einmal auf der falschen Seite der Autobahn. Google weigerte sich beharrlich, mich dorthin zu routen, wo laut Satellitenbild nur Schlamm und Verfall zu sein schienen. Also navigierte ich nach dem Bild in meinem Kopf und dem Satellitenblick.

Die Jagd nach dem Phantom

Ich fand die Industrieruinen. Ich fand die Unterführung. Und dann stand ich vor ihr: Eine holzbeplankte Hängebrücke, kaum breiter als mein Bürstner. Ein technisches Denkmal, das im krassen Kontrast zu meiner Heimat steht.

In Rottweil wird vom 24. bis 26. April 2026 die neue Fussgänger-Hängebrücke „Neckarline“ mit einem grossen Brückenfest offiziell eröffnet. Einer der modernsten und längsten Fussgängerhängebrücken der Welt. Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Da kann ich nun nicht dabei sein.

Aber mal ehrlich: Wer braucht schon High-Tech-Stahl und Festreden, wenn man in Georgien auf solch eine historische Schönheit trifft? Hier gibt es kein Absperrband, keine Tickets und keinen Sicherheitsdienst. Nur das morsche Knacken der Beplankung und das Flüstern der Geschichte.

Die Gretchenfrage

Schaut euch die Bildergalerie an. Die Durchfahrt war in der Höhe begrenzt – mein physikalischer Stopp.

Aber mal unter uns: Hätte es diese Höhenbegrenzung nicht gegeben … hätte ich die Brücke überquert? Das Holz unter den 3,9-Tonnen-Gespann, das Schwanken der Seile, die Zentimeterarbeit an den Flanken.

Was meint ihr? Schreibt es mir in die Kommentare: Wärt ihr diesen Weg mit einem Wohnwagen überhaupt gefahren? Und hättet ihr der Brücke getraut?

2 Kommentare zu „Brückenfeste: Zwischen Rottweil-High-Tech und Georgien-Ruinen – Brücke von Agarebi“

  1. Zum Verständnis:
    Bist du freiwillig über diese Brücke fahren, oder war das eine Nervenkitzel-Kür?
    Ich hätte vor der Überfahrt die Einheimischen beobachtet und mich dann entschieden: entweder auch rüber oder kapitulieren.
    Weiterhin viel Glück auf den abenteuerlichen Straßen Georgiens.

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