(12.04.26) Nach inzwischen über 560 Kilometern auf türkischem Boden drängt sich mir ein Vergleich auf, den ich so nicht im Fokus hatte. Es ist ein Land der extremen Gegensätze. Mein subjektiver Eindruck: Dort, wo die Türkei „Top“ ist – bei der modernen Infrastruktur, der Sauberkeit der Raststationen und der Effizienz der Gastronomie – kann Deutschland oft kaum noch mithalten. Doch dort, wo die Türkei abfällt, begegnet einem bittere Armut und Verfall. In Deutschland ist die Schere nicht so weit offen; wir sind in der Breite vielleicht „solider“, aber in der Spitze hat mich die Moderne hier bereits mehrfach überrascht.
Der Instinkt-Sieg und das harte Erwachen
Der Tag begann kulinarisch glänzend. Mein Reise-Instinkt führte mich zu Köfteci Yusuf. Zwischen all den einheimischen Kennzeichen genoss ich ein hervorragendes Antrikot mit frischem Salat und Tee. Ein Erlebnis von Qualität und Sauberkeit, das mich beeindruckt hat.
Doch die Fahrt ab der Abzweigung Richtung Samsun forderte ihren Tribut. Die Strassen wurden schlechter, die Konzentration musste steigen. Am Strassenrand sah ich Menschen, die unter einfachen Plastikplanen im Staub ihre Waren verkauften – ein krasser Kontrast zu den Hightech-Raststätten von heute Morgen.
Wenn der Plan im Dreck landet
Rund 170 Kilometer vor dem Schwarzen Meer war die Luft raus. Die Suche nach einem Schlafplatz wurde zur ganz kleinen „Odyssee“: Erst landete ich intuitiv in einem Steinbruch, dann suchte ich geplant das Osmancık Karavan Kampı – nur um festzustellen, dass es diesen Platz gar nicht mehr gibt.
Jetzt stehe ich hier. Irgendwo an der Strasse, im Dreck. Es ist laut und ungemütlich, aber ich bin schlichtweg zu müde, um weiterzufahren. In solchen Momenten ist mein Caravan der einzige Rückzugsort.
Positive Denkanstrengung: Den Kopf aufräumen
Bevor ich schlafen konnte, musste ich jedoch „Gedankenhygiene“ betreiben. Das Telefonat mit Maria hallte nach – ihre neurotypische Interpretation meiner Reise gegen meine logische, aspergertypische Realität.
Für mich ist dieses „Denken“ eine positive Anstrengung. Ich musste diese Gedanken niederschreiben, um den Kopf frei zu kriegen. Es war die Reinigung, die ich brauchte, um nach diesem anstrengenden Tag wieder im Reinen mit mir selbst zu sein.
Die Ergebnisse dieses inneren Dialogs findet ihr hier:
👉 [Gedanken von Dieter: Logik vs. Interpretation]
👉 [Gedanken für Maria: Von unterschiedlichen Geschwindigkeiten]
Status: Morgen ruft das Meer
Ich stehe im Dreck, aber mein Kopf ist klar. Morgen liegen nur noch 170 Kilometer vor mir, bis ich das Schwarze Meer erreiche. Ich freue mich auf die Ankunft. Heute zählt nur noch: Licht aus und Ruhe finden.
Gute Nacht aus dem Nirgendwo vor Osmancık.