Menschenwege: Wenn der Hund zum Türöffner und Russisch zur Durststrecke wird

Müde, aber nicht übermütig: Etappe 2 von Lindau nach Maribor

(07.04.26) Der zweite Tag liegt hinter mir. Ich bin müde, doch weit entfernt von Übermüdung – und erst recht nicht übermütig. Die Reise hat ihren eigenen Rhythmus und der heutige Takt führte mich von Lindau am Bodensee bis nach Maribor in Slowenien.

Der schwäbische Sparkommissar und die Maut-Falle

Als echter Schwabe habe ich ein tief verwurzeltes Motto geerbt: „Am Sparen ist das meiste Geld verdient“, pflegte mein Vater immer zu sagen. Wichtig dabei: Das hat nichts mit Geiz zu tun, sondern mit Effizienz. Mein persönlicher Endgegner heute: Die österreichische Tagesmaut. Diese gilt nämlich nicht für 24 Stunden, sondern exakt für einen Kalendertag bis 23:59 Uhr. Wer also um 16:00 Uhr bucht, zahlt für acht Stunden den vollen Preis. Mein Ziel war klar: Rechtzeitig raus aus Österreich, bevor die Uhr Mitternacht schlägt und eine zweite Maut fällig wird. Spoiler: Es hat geklappt!

Tequila, der „Brücken-Hund“ am Spargelstand

Den ersten Stopp legte ich in Inning am Ammersee ein. Mit meinem Gespann fand ich direkt gegenüber einem Edeka einen grosszügigen Schotterplatz – ideal für ein schnelles Frühstück beim Bäcker. Dort traf ich Klaus Wolf an seinem Spargelstand. Es dauerte keine zwei Minuten, bis Tequila das Eis brach. Sie ist eine echte Brückenbauerin; ein Hund, der Menschen verbindet.

Klaus, mittlerweile Rentner, der sich mit dem Stand etwas dazuverdient, war selbst jahrelang mit dem Wohnwagen unterwegs. Wir versanken sofort im Fachsimpeln. Er zückte sein Smartphone, tippte www.Menschenwege.de ein und gehört nun fest zu unserer digitalen Reisegesellschaft. Er erzählte von anderen Weltenbummlern, denen er online folgt – und noch während ich weiterfuhr, ploppte bereits sein erster Kommentar im Blog auf. Genau das ist der Kern dieser Reise: Begegnungen.

Besuch in Teisendorf: Zwischen Leidenschaft und Kostendruck

Ein kleiner Abstecher führte mich ins Berchtesgadener Land nach Teisendorf. Ein faszinierender Ort, an dem die Häuser teilweise noch einfach durchnummeriert sind – ohne Strassennamen. Dort besuchte ich Steffi und Johann Baumgartner. Johann betreibt eine Kfz-Werkstatt mit Herz und Seele, inklusive Abschlepp- und Bergungsdienst.

Unsere Verbindung reicht Jahre zurück: Ich durfte ihn und sein Team damals als Ausbilder für die Interessengemeinschaft der Abschlepp- und Pannendienstunternehmer e. V. qualifizieren. Es war eine intensive Zeit der Schulungen zur Arbeitssicherheit und Bergetechnik. Heute kämpft Johann, wie so viele kleine Dienstleister, gegen das, was ich als Wirtschaftswissenschaftler „Auftraggebermonopole“ nenne: Grosse Organisationen, die Preise diktieren und kleine Betriebe unter enormen Kostendruck setzen. Doch trotz Lkw-Maut und horrenden Dieselpreisen halten sie durch – dank ihrer treuen Stammkunden, die Johanns Allround-Talent schätzen.

Während meines Besuchs schraubte Johann gerade mit sichtbarer Leidenschaft an einem alten Land Rover Defender. Ein Anblick, der mich schmunzeln liess. Viele meinten im Vorfeld der Reise zu mir, dass ein solches „Urgestein“ von Geländewagen viel besser für den Kaukasus und die unendlichen Steppen Zentralasiens geeignet wäre. Doch ich bleibe zuversichtlich: Mein Mazda CX-5 wird mich und das Gespann sicher ans Ziel bringen. Es kommt nicht immer nur auf die martialische Optik an, sondern auf die Zuverlässigkeit – und die hat mich bisher nicht im Stich gelassen. Wir werden durchkommen, auch ohne Starrachsen und Defender-Kult!

Es war schön zu sehen, dass die Verbindung über die Jahre geblieben ist.

Marburg oder Maribor? Ein geschichtliches Rätsel

Kurz vor dem Ziel in Slowenien fiel mir auf den österreichischen Wegweisern etwas auf: Dort steht neben „Maribor“ oft noch der alte Name „Marburg“ – und zwar ohne den deutschen Zusatz „an der Drau“. Warum ist das so?

Historisch gesehen war Maribor bis 1918 eine Stadt der Habsburgermonarchie mit einer grossen deutschsprachigen Bevölkerung, die sie eben Marburg nannte. Um Verwechslungen mit dem Marburg an der Lahn (Hessen) zu vermeiden, wurde oft der Zusatz „an der Drau“ verwendet. Dass die Österreicher den alten Namen heute noch auf den Schilder führen, ist ein schönes Beispiel für die tiefe, grenzüberschreitende Geschichte dieser Region.

Russisch lernen: Eine trockene Angelegenheit

Während der Fahrt habe ich versucht, mit dem Pimsleur-Sprachkurs eine erste Lektion Russisch zu lernen. Puh, die Aussprache ist eine echte Herausforderung! Dabei habe ich zwei bahnbrechende Erkenntnisse gewonnen.

  1. Mein Englisch wird deutlich flüssiger, da der Kurs alles von Englisch auf Russisch übersetzt.
  2. Die unzähligen Versuche, die fremden Laute nachzusprechen, lassen den Mund regelrecht austrocknen.

Jetzt verstehe ich auch die Ironie des Schicksals (oder das Klischee): Mutmasslich trinken Russen nur deshalb so viel Wodka, um die vom Sprechen staubtrockene Kehle wieder zu ölen!

Der erste volle Tag der „Menschenwege“ hat gehalten, was er verspricht: Keine Steine halten mich auf, aber liebe Menschen lassen mich gerne anhalten.

Gute Nacht aus Slowenien!

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