Teil 1: Kaffee-Meditation und die Freiheit der Isolation

(18.04.2026) Nordossetien-Alanien.
Nach der 17-Stunden-Odyssee am Grenzübergang Verkhnij Lars und nun über 9 Stunden tiefem Schlaf bin ich wieder fit. Fit zum Versorgen von Tequila, fit zum Kaffeetrinken und fit zum Bloggen. Gestern ging es nur noch darum, einen ruhigen Schlafplatz zu finden.

Mein Tag beginnt mit der täglichen Kaffeezeremonie. Es musste schnell gehen, deshalb erst mal ein Espresso aus der italienischen Caffettiera. Während ich diesen Shot trank, kochte ich das Wasser für den Filterkaffee auf. Beim Reisen ist das Aufbrühen eine Art Meditation. Um Kaffeefilter der Grösse 4 brauche ich mich seit Ende 2020 nicht mehr kümmern: Immer wenn ich eine Reise ankündige, steht mein Freund Pitt „vor der Tür“ und übergibt mir ein neues Päckchen. Wenn es schnell gehen muss, gibt es die French Press, oder griechischen Mokka aus der Briki. Diese Zeremonien sind der wichtigste Start in den Tag.

Ich bin froh, dass es keinen Konvoi für diese Reise gibt. Unabhängig den Tag zu gestalten und den eigenen Rhythmus zu finden, ist der bessere Weg. Stellt euch vor, ich stünde im Konvoi und würde jetzt erst mal gemütlich Kaffee zelebrieren und stundenlang bloggen – die anderen würden ungeduldig bis an die Grenze des Wahnsinns werden! 😉 Ich fühle mich alleine sicher; eine Wagenburg zum Schutz braucht es nicht.

Alleinreisen schliesst Maria nicht aus. Sie wäre liebend gerne dabei gewesen. Wir haben heute Morgen per Videotelefonie Kontakt aufgenommen: Sie im Krankenhausbett, ich mit dem Laptop. Maria wartet auf ihre Entlassung. Ihre Familie hat schon für sie eingekauft, die Töchter stehen bereit für die Pflege zu Hause. Dieser Familiensinn macht mich melancholisch – ich würde mir für meine drei Kinder ebenfalls einen solchen Zusammenhalt wünschen.

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