Von Panzerpisten und flüssigem Glück: Der Weg nach Terensay

(26.04.26) 270 Kilometer können in Kasachstan eine Ewigkeit sein. Wenn hier ein Warnschild für „unebene Fahrbahn“ am Strassenrand auftaucht, ist das kein dezenter Hinweis, sondern eine Drohung. Die folgenden Teilstrecken erinnerten mich lebhaft an die Panzerstrasse des Übungsplatzes in Stetten am kalten Markt. Dort war ich vor 40 Jahren als Unteroffizier und Wartungsgruppenleiter tätig. Trotz meiner Körpergrösse – die mich eigentlich für den Dienst im Panzer untauglich machte – fuhr ich MTWs, Leopard 1 und kurz vor der Entlassung sogar noch „schwarz“ den Leopard 2, zur Diagnose Probe. Heute kam mir dieses Training zugute: Mit dem Mazda und dem 1,6t Bürstner im Schlepptau war es ein Slalom durch die Schlagloch-Hölle.

Trotz der Piste habe ich eine gute Strecke geschafft. Mein heutiges Lager habe ich auf dem Parkplatz vom Кафе Әйке in Terensay aufgeschlagen, fast in Sichtweite der russischen Grenze.

Die Botschaft in der Flasche: Kozhe für die Reise

Bevor ich aufbrach gab es im Teehaus noch eine Begegnung welche mich tief beeindruckt hat. Ich lernte темур (Temur) und seine Frau бақыт (Bakhyt) kennen. Temur outete sich sofort als glühender Borussia Dortmund Fan – ein Stück Heimat im Nirgendwo. Während ich bei einer Kanne Tee meine Berichte schrieb, vertieften wir das Gespräch in einem Mix aus Deutsch, Englisch und Händen und Füssen.

Zum Abschied holte Temur ein Getränk aus dem Kühlschrank: Көже (Kozhe). Erst durch den Scan des Etiketts begriff ich die Tragweite dieses Geschenks.

🧬 Hintergrund: Kozhe – Das Symbol des Lebens
Kozhe ist weit mehr als ein Erfrischungsgetränk aus Getreide und Milchprodukten. In der kasachischen Kultur ist es ein tief verwurzeltes Symbol für Wohlstand, Fruchtbarkeit und das Glück des kommenden Jahres. Da es Temur mir als Wegzehrung für meine Fahrt gab, war das eine Segnung meiner Reise.

Ich revanchierte mich mit meiner Pfefferminzbox. Die beiden wollen dem Blog nun folgen – auch wenn ich kein Fussballfan bin 😉. Temur, Bakhyt: Schreibt eure Kommentare gerne auf Kasachisch!

Қайырлы түн – Gute Nacht aus Terensay.

3 Kommentare zu „Von Panzerpisten und flüssigem Glück: Der Weg nach Terensay“

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