1. Der steinerne Auslöser
Gestern, auf dem Weg nach Astana, hielt ich am Monumentalfriedhof von Bestamak. Die prunkvollen Gräber junger Frauen und die ockerfarbenen Kuppeln gegen den weiten Horizont haben mich fasziniert. Doch hinter den 105 Fotos (siehe Polarsteps), die ich dort machte, verbirgt sich eine tiefere Frage: Was bleibt am Ende vom Menschen übrig?
2. Die Lehre der Gräber
Die Kasachen bauen gigantische Mausoleen, doch darunter liegt der Mensch in der radikalen Schlichtheit eines weissen Leinentuchs. Nackt. Diese Beobachtung hat mich dazu gebracht, einmal grundsätzlich über meinen eigenen Naturismus auf dieser Reise nachzudenken. Warum ich nackt am Lost Place stehe, warum ich Fotos davon veröffentliche und warum das für mein Umfeld in der Heimat oft erklärungsbedürftig scheint.
3. Querverweis zum Manifest
Da diese Gedanken über das „Nackt-Kommen und Nackt-Gehen“ den Rahmen eines Tagesberichts sprengen würden, habe ich dazu ein ausführliches Manifest geschrieben. Es geht um Sure 2:256, um den Vatikan und warum ich mich nicht hinter Stoff verstecken muss.
👉 [Zum vollständigen Artikel: Nackt gekommen, nackt gegangen – Mein Manifest der Indifferenz]
Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte über die menschliche Natur und unsere letzten Wünsche:
Ein reicher Moslem spürte sein Ende nahen. Er rief seine Söhne zu sich an das Sterbebett und sagte mit brüchiger Stimme: „Meine Söhne, ihr wisst, wie streng die Regeln sind. Aber ihr wisst auch eines: Ich hatte mein ganzes Leben lang immer schrecklich kalte Füsse. Wenn ich sterbe, bitte ich euch um eines: Beerdigt mich bitte mit meinen dicken Wollsocken unter dem Leinentuch!“
Die Söhne waren verzweifelt. Sie fragten den Imam, sie fragten die Gelehrten, doch die Antwort war unerbittlich: „Nackt gekommen, nackt gegangen. Nur das weisse Tuch. Keine Socken, kein Besitz.“
Als der Vater schliesslich begraben wurde – ohne Socken, wie es das Gesetz verlangt – öffneten die Söhne seinen versiegelten Brief für das Erbe. Darin stand nur ein einziger Satz: „Seht ihr, meine Söhne? Ich war der reichste Mann der Stadt, aber ich konnte nicht einmal ein Paar Socken mit auf meine letzte Reise nehmen.“