Menschenwege am Meer: Von Schlammpfoten und purer Gastfreundschaft

Der heutige Tag hat mir wieder einmal gezeigt, warum ich diese Reise mache. Es sind nicht die Monumente oder die Landschaften, die bleiben – es sind die unerwarteten Gesten der Menschen.

Der „dreckige Hundehalter“ am Premium-Tisch

Samsun habe ich heute bewusst gemieden; dieser 700.000-Einwohner-Moloch passte einfach nicht in mein Konzept. Ich brauchte Weite und Meer. So landete ich schliesslich beim Gölevi Restaurant östlich der Stadt.

Ich muss ein Bild für die Götter abgegeben haben, als ich in der automatischen Schiebetüre stand: In meiner schmutzigen „Hundehalter-Jeans“ (Hunde-Profis wissen: Eine saubere Hose hält bei einer Dogge keine zwei Stunden), die leere PET-Flasche und den Hundenapf fest im Griff. Ich fragte nach Wasser für Tequila und – wie in der Türkei üblich – durfte sie nicht mit rein.

Was dann folgte, war Gastfreundschaft in Reinkultur. Man führte mich zum Wasserauffüllen in den Vorraum des restauranteigenen Gebetsraums. Tequila wurde versorgt und durfte im kühlen Mazda warten – ein Segen, dass wir im Frühjahr reisen. Und ich? Ich wurde nicht etwa in eine dunkle Ecke abgeschoben, sondern an den absolut besten Platz direkt am Fenster mit Panoramablick auf die Terrasse und das Meer geführt.

Das Essen war schlichtweg herrlich. Für umgerechnet etwa 19 € kam ein wahres Festmahl auf den Tisch: saftige Izgara Köfte, gerösteter Mangold (Pazi Kavurma 😋), getrocknete Tomaten und eine köstliche Gemüse-Garnitür. Die zwei Gläser Tee zum Abschluss waren Ehrensache des Hauses.

Tequila und das Dusche-Wunder

Nach dem Essen durfte Tequila am hauseigenen Strand toben. Sie rannte, vergrub Stöcke und lieferte sich ein Duell mit den Wellen. Als eine Welle sie am Hinterteil erwischte und sie klatschnass war, hielt sie plötzlich respektvollen Abstand – der Stolz war kurzzeitig angekratzt, aber die Freude riesig.

Am Strand entdeckte ich Duschen und fragte einen Kellner, ob ich diese nutzen dürfe. Er schüttelte den Kopf, nahm mich aber stattdessen mit durch eine Tür unter die Terrasse. Dort öffnete er mir einen super sauberen, gepflegten Waschraum mit einer warmen Dusche. Für einen Camper ist warmes Wasser ohne Limit ein unfassbarer Luxus. Dass sie dem „dreckigen Hundehalter“ einfach so diesen privaten Bereich öffneten, hat mich tief bewegt. So nett können die Menschen auf dieser Welt sein.

Kurven, Gefälle und die tägliche Logistik-Falle

Der Tag war fahrerische Schwerstarbeit. Die Abfahrt aus den Bergen ans Meer mit einem 1,6-Tonnen-Caravan im Rücken erfordert viel Fingerspitzengefühl. Der Wohnwagen schiebt bei langen Gefällen unaufhörlich. Trotz der Kurven stehen heute überraschende 350 Kilometer auf dem Tacho.

Doch die grösste Herausforderung bleibt die Stellplatzsuche am Abend. Ein Platz für ein 12-Meter-Gespann ist das eine, aber er muss „hunde-sicher“ sein. Überall wo Lkw-Fahrer pausieren, patrouillieren Strassenhunde, da sie dort oft gefüttert werden. Was als freundliche Geste gemeint ist, macht diese Orte für Tequila und mich zu riskanten Revieren. Heute aber hatte ich Glück: Ich stehe direkt am Strand, angrenzend an eine schöne, ruhige Parkanlage. Keine Spur von den fütterungs-gewohnten Rudeln.

Wenn der Muezzin mich morgen früh nicht zu früh weckt, dann bin ich auch ausgeschlafen und schaffe es bis nach Georgien. 380 Kilometer bis Batumi liegen vor uns.

Status: Frisch geduscht und satt. Morgen wollen wir die Grenze überqueren.

İyi geceler

2 Kommentare zu „Menschenwege am Meer: Von Schlammpfoten und purer Gastfreundschaft“

  1. Hallo Dieter,
    Endlich habe ich Dich gefunden, so schön was Du da von der Gastfreundschaft geschrieben hast, da menschelt es noch richtig. Das freut mich ungemein für Dich.
    Ich hoffe für Euch, Dich und Tequila, weiterhin so wunderbare Begegnungen erleben werdet.
    Bleib gesund und alles was Du Dir wünscht soll in Erfüllung gehen

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