Adlerjäger, Ur-Traditionen und das Speichel-Dilemma am Auge Kirgistans

(22. bis 25.05.26) Das Navigationssystem lieferte dieses Mal eine Punktlandung: Ich fand den richtigen Standort auf Anhieb. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bel-Tam Yurt Camp in Tong, direkt am Südufer des majestätischen Yssykköl, empfingen das Gespann ausserordentlich freundlich. Mit einem pragmatischen Mix aus rudimentärem Englisch und dem Google-Übersetzer war mein logistischer Bedarf schnell geklärt. Man wies mir einen Stellplatz ausserhalb des eigentlichen Camps zu. Die Infrastruktur hier ist ein Volltreffer: Am Ende dieses Artikels folgt eine detaillierte Bildergalerie dieses gemütlich-rustikalen Jurten-Camps, das mit sehr sauberen Sanitäranlagen, direktem Seeblick und einer Distanz von gerade einmal 100 Metern zum Strand punktet.

Mein System verlangte nach den zermürbenden Wochen im Altai-Tal und dem administrativen Grenzkrimis nach einer rigorosen Pause: Zwei volle Tage und drei Nächte Stillstand standen im Pflichtenheft. Für den Samstag hatte ich mir ein absolutes Minimalprogramm verordnet: Gar nichts tun, ausser die Betten zum Waschen abzuziehen, gemeinsam mit Tequila die Seele baumeln zu lassen und ausgedehnte Spaziergänge am Ufer des riesigen Gebirgssees zu absolvieren. Meinen ersten Wäschekorb gab ich bereits am Vormittag bei den Angestellten ab. Danach räumte ich ein wenig im Wohnwagen um, nahm mir die technische Komplettrevision des Bürstner-Innenraums jedoch fest für den Sonntag vor.

Noch am Ankunftstag gab es am Abend ein traditionelles Dinner, serviert in einer imposanten, riesigen „Restaurant“-Jurte. Hier stiess ich jedoch sofort an meine physischen Grenzen. Bedingt durch meine krankheitsbedingte Unbeweglichkeit durch den Morbus Bechterew ist es mir vollkommen unmöglich, mich auf einer Toshok – einer kirgisischen Liegematte – am traditionell bodennahen Dastarkhan-Tisch niederzulassen, um zu essen. Hinzu kommt das asiatische Dogma: Tequila darf als Hund unter keinen Umständen mit in ein Restaurant. Sie hätte zwar im Wohnwagen warten können, aber das Team des Camps reagierte maximal flexibel. Man tischte mir das Abendessen kurzerhand im Aussenbereich auf. Hier konnte ich auf einer normalen Bank sitzen und meine Cane Corso-Hündin war ebenfalls geduldet. Das Menü war exzellent: Eine kräftige Suppe, gefolgt von einem Kartoffel-Fleisch-Gericht, frischem Salat und einem Dessert. Dazu wurde eine Fruchtkonfitüre gereicht. Ich fischte mir isoliert die Früchte heraus. Erst am nächsten Tag sollte ich auf Nachfrage erfahren, wofür diese süsse Zugabe eigentlich gedacht war: Die Einheimischen nutzen die Konfitüre traditionell zum Süssen des Tees.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Regeneration, unterbrochen nur vom Waschen der Textilien und logistischen Optimierungen im Caravan. Am frühen Abend traf ich im Camp auf den professionellen Reiseleiter Nurbek Musaev aus Bischkek. Er war mit einem 18-Sitzer Mercedes-Sprinter und einer bunt zusammengewürfelten, internationalen Reisegruppe eingetroffen. Die Gruppe hatte den Tag über ein besonderes kulturelles Highlight erlebt: Sie hatten Jägern bei der traditionellen Jagd mit Steinadlern zugeschaut.

Nurbek erklärte mir die ökonomische und biologische Logik hinter diesen Vorführungen, die sich als klassische Win-Win-Situation für Mensch und Tier darstellt. Ernsthaft gejagt wird mit den mächtigen Adlern ausschliesslich im harten kirgisischen Winter. Sobald es im Frühjahr und Sommer wärmer wird, müssen die Greifvögel jedoch zwingend im täglichen Training bleiben, um ihre Flugmuskulatur und Jagdinstinkte nicht zu verlieren. Die Vorführungen für Touristen erfüllen somit einen dreifachen Nutzen: Sie sichern das notwendige Training des Tieres, generieren ein wichtiges Einkommen für die lokalen Jäger und bieten den Besuchern ein unvergessliches Erlebnis. Nurbek erzählte mir zudem stolz, dass sein eigener Bruder bis heute im Sommer mit der Viehherde hoch in die Berge zieht und dort ganz traditionell in Jurten lebt. Für den nächsten Tag war für seine Gruppe ein ausgedehnter Ausritt organisiert. Wer Kirgistan oder Teile Kasachstans abseits der Standardrouten erleben möchte, kann Nurbek als erfahrenen Individual-Guide direkt per WhatsApp unter +996702271202 kontaktieren. Er spricht fliessend Englisch und organisiert Touren von einem Tag bis zu mehrwöchigen Expeditionen – egal ob für Alleinreisende, Paare oder Gruppen mit bis zu 16 Personen.

Das Bel-Tam Yurt Camp erwies sich auch am Sonntag als strategischer Knotenpunkt für anspruchsvolle Individualreisen. Ich kam mit einem weiteren Guide ins Gespräch: Arslan. Er fuhr mit einem luxuriösen SUV vor und begleitete zwei Privatkunden. Arslan spricht neben fliessendem Englisch auch perfekt Deutsch. Seine Kunden – Dana aus North Carolina (USA) und Charbel aus dem Libanon, beide beruflich und privat mittlerweile im Wechsel in Dubai und ihren Haus in Jordanien ansässig – hatten sich bewusst für eine exklusive Privatführung entschieden. Mein analytischer Eindruck nach den ersten Minuten des Kennenlernens: Die beiden haben für dieses Abenteuer den absolut perfekten Guide gewählt. Wir kamen sofort auf einer tiefen Wellenlänge zusammen und sprachen im besten Sinne des Wortes über Gott und die Welt.

Da die drei brennend daran interessiert waren, mein autarkes Caravan-Gespann von innen zu besichtigen, bat ich sie herein. Zum Glück hatte ich den Bürstner am Vormittag aufgeräumt, lediglich die frisch gewaschenen Kissen waren noch nicht wieder bezogen. Der unbestrittene „Türöffner“ für diese intensive Menschenwege-Begegnung war – wie so oft – meine Hündin Tequila. Zum Abschluss machten wir ein gemeinsames Erinnerungsfoto und verabredeten uns für das anstehende Dinner.

Kurz vor dem Aufbruch passierte mir jedoch ein massiver Fauxpas: Tequila ging unmittelbar nach dem Trinken aus ihrer Wasserschüssel auf die Besucher zu und schlabberte Arslan im Vorbeigehen heftig an der Hose an. Man muss es nüchtern betrachten: Das Maul eines Cane Corso ist rein anatomisch zum sauberen Saufen und Fressen eine absolute Fehlkonstruktion. Die Sabber-Gefahr ist danach permanent hoch. Im Islam gilt der Speichel eines Hundes jedoch per Definition als rituell unrein (najis). Da ich diese religiösen Reinheitsgebote kenne und respektiere, war mir die Situation extrem unangenehm. Ich entschuldigte mich in aller Form bei ihm. Arslan reagierte absolut professionell, musste jedoch unmittelbar darauf den harten Cut machen: Er ging unverzüglich duschen und vollzog einen kompletten Hosenwechsel, um seine rituelle Reinheit für das mutmasslich anstehende Gebet und das Abendessen wiederherzustellen. Auch Arslan ist ein herausragender Logistiker für massgeschneiderte Kirgistan-Abenteuer und kann für Individual-Touren per WhatsApp unter +996700999150 angefragt werden.

Und nun, wie versprochen, ein paar ungeschönte Impressionen aus dem Camp und der rauen, wunderschönen Umgebung des Yssykköl:

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